Beschreibung des Autors:
John Horn. Eigentlich Jonathan. Prominent. Sehr sogar. Eigene Talk-Show. Keine Freunde. Soll die Welt so sein? Ja, denkt er. Dann die Diagnose: Depression! Nein, denkt er. Ich doch nicht! Alles bestens! Volle Gegenwehr! Auch in seiner Show. Bianca. Debile Eltern. Ohne Halt. Restlos depressiv. Will sich von der Brücke stürzen. Soll die Welt so sein? Nein, denkt sie. Doch wozu Hoffnung haben? Sie doch nicht! Hoffnung ist nur Illusion! Was zum Teufel sollte sie in einer Show? Zwei, die sich auf dem Fluchtweg treffen. Angeschlagen und allein. Die sich spiegeln, täuschen und nach einem Ausweg suchen. Und ausgerechnet in der Täuschung Hoffnung finden. Dort, wo die lang geglaubte Lüge Teil der Wahrheit wird.
Rezension von DDL-Mitglied Mechthild Strahler
Licht und Schatten eines Stars und eine Frau, die sich wünscht, dass die Welt ohne sie in Liebe lebt. Es gibt Bücher, die unterhalten und es gibt Bücher, die bleiben. Dieser Roman gehört zur zweiten Kategorie. Eine Geschichte, die sehr behutsam und zugleich so eindringlich das Thema psychische Erkrankungen in den Mittelpunkt stellt – und dabei niemals das Gefühl vermittelt, belehrend zu sein.
Die Geschichte handelt von zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Er ein gefeierter Star, sie eine Unbekannte. Und doch eint sie etwas, das sichtbarer nicht sein könnte. Die Depression. In einer Nacht sind beide, John und Bianca, auf der Flucht und begegnen sich. Das ist der Ausgangspunkt einer Entwicklung, die den Leser von der ersten Seite an in ihren Bann zieht.
Der respektvolle Blick auf die Erkrankung macht dieses Buch besonders. Sensationslust und klischeehafte Darstellungen, wie sie bei „Stars und Prominenten“ vorkommen, werden realistisch beschrieben. Wie sich eine Depression anfühlt – die Lähmung, die bleierne Schwere, die jeden Morgen neu überwunden werden muss und die sich bei jedem Betroffenen unterschiedlich äußern kann. Die Darstellung beider Protagonisten ist gut gelungen. Auch der öffentliche Druck, dem John ausgesetzt ist, wird eindrucksvoll beschrieben und auch, wie er seine Rolle spielt.
Für Betroffene und Angehörige gleichermaßen – und auch für alle, die Interesse an der Erkrankung Depression haben – ist dieser Roman eine wertvolle Lektüre. Er klärt nicht auf, er predigt nicht, er erzählt eine Geschichte. Und genau dadurch erreicht er etwas Wesentliches: Er normalisiert den Blick auf psychische Erkrankungen, ohne zu verharmlosen. Er zeigt, dass Hilfe möglich ist, dass Wege zur Besserung existieren – auch wenn sie steinig und lang sein können. Und was zu Tage befördert wird, wenn man diesen Weg geht.
Der Schreibstil ist angenehm flüssig. Trotz der Schwere des Themas wird der Roman nie erdrückend. Die kurzweilige Erzählweise sorgt dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann – und am Ende doch nachdenklich zurückbleibt. Eine klare Leseempfehlung für alle, die verstehen wollen, ohne zu verurteilen. Und für alle, die sich selbst in den Zeilen wiederfinden.
Verlag: BoD – Books on Demand
192 Seiten
ISBN-13: 978-3819243486
ISBN: 3819243488