Beschreibung des Autors:
Wie lebt es sich mit Depression? Was haben Fotoshooting, Bodypainting und Fesseln mit dieser Erkrankung zu tun? Viel, denn sie bilden das Gegengewicht zu der Dunkelheit der Hoffnungslosigkeit, in die mich tiefe depressive Phasen regelmäßig führen. Sie zeigen mir das Licht des Lebens und bescheren mir eine Zeit, die meine Seele streichelt. Es ist eine Fahrt mit der Achterbahn, manchmal voller Euphorie und Freude, manchmal nahe am Suizid vorbei schrammen.
Rezension von DDL-Mitglied Mechthild Strahler
Triggerwarnung: Das Buch schildert eindrücklich und detailreich das Erleben schwerer Depressionen, einschließlich suizidaler Gedanken. Zudem werden folgende Themen behandelt: Konsum von Alkohol als (fehlgeleitete) Form der Selbstmedikation, erlebte Gewalt in unterschiedlichen Handlungsräumen (z. B. im persönlichen Umfeld oder gesellschaftlichen Kontexten) sowie erotisch-sexuelle Begegnungen. Wer selbst von Depressionen betroffen ist oder sensible Erfahrungen in diesen Bereichen hat, sollte die Lektüre in einem stabilen Moment beginnen.
Rolf Netzmann nimmt uns in „Achterbahn – Zwischen Depression und Hoffnung“ mit auf eine schonungslose Reise durch seine psychische Erkrankung. Besonders eindrücklich beschreibt er, wie er in tiefen Phasen zu Alkohol griff, um die quälende Leere zu betäuben – eine Bewältigungsstrategie, die viele Betroffene kennen, über die aber selten so offen gesprochen wird.
Prägende Sätze, die lange nachwirken, sind etwa: „Der Gedanke, mir Hilfe zu holen, kam mir nie“ – ein erschütternder Satz, der die Isolation und den fehlenden Ausweg beschreibt. Und später: „Diese suizidalen Gedanken waren nun ein Antrieb für mich, in den folgenden Jahren nachhaltig Veränderungen in meinem Leben anzugehen.“ Hier zeigt sich die beeindruckende Wandlung des Autors: Aus der größten Verzweiflung wächst unerwartet eine Kraft zur Veränderung.
Besonders wertvoll ist die Erkenntnis, die der Autor auf seinem Weg gewinnt: Dass er mit Akzeptanz und dadurch, dem Vergangenen Raum zu geben, seinen eigenen Heilungsprozess unterstützen kann. Nicht Verdrängen, nicht Kämpfen um jeden Preis – sondern Zulassen und Loslassen.
Eine schöne und unerwartete Bereicherung sind die immer wieder eingestreuten Gedichte. Sie regen nicht nur zum Nachdenken an, sondern spiegeln auf verdichtete Weise die Gefühlswelt des Autors wider – mal verzweifelt, mal voller Sehnsucht nach Licht. Diese lyrischen Momente lockern den Text auf und geben dem Ganzen eine fast künstlerische Tiefe.
Der Autor, selbst ausgebildeter EX-IN-Genesungsbegleiter, beschönigt nichts und moralisiert nicht. Seine Ehrlichkeit macht das Buch so wertvoll. Es vermittelt Hoffnung: Dass Rückfälle dazugehören können – und dass Besserung trotzdem möglich ist.
Eine Leseempfehlung für alle, die sich mit schweren Depressionen auseinandersetzen. Bitte lesen Sie dennoch achtsam und holen Sie sich Unterstützung, falls eigene Gefühle zu stark werden.
Verlag: BoD – Books on Demand
120 Seiten
ISBN-13: 978-3695160785