Die Deutsche DepressionsLiga e.V. nimmt das Anliegen ernst, schwere Gewalttaten frühzeitig zu verhindern und die Sicherheit der Bevölkerung zu schützen. Zugleich zeigen wissenschaftliche Erkenntnisse eindeutig, dass psychische Erkrankungen nur in sehr spezifischen Konstellationen mit einem erhöhten Gewaltrisiko einhergehen und individuelle Gefährlichkeit nicht aus Diagnosen abgeleitet werden kann.
Vor diesem Hintergrund halten wir es für entscheidend, dass polizeiliche Frühinterventionsansätze klar begrenzt, transparent und konsequent in ein gut ausgestattetes psychosoziales Hilfesystem eingebettet sind. Wir verweisen hierzu auf das Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) zur Prävention von Gewalttaten, an dessen Erarbeitung die DDL beteiligt war. Das Positionspapier empfiehlt evidenzbasiert insbesondere den Ausbau niedrigschwelliger, aufsuchender und interdisziplinärer Hilfestrukturen.
Ähnliche sicherheitsorientierte Ansätze zur Früherkennung oder zum behördenübergreifenden Risikomanagement wurden in den vergangenen Jahren auch in anderen Bundesländern entwickelt, erprobt oder diskutiert, unter anderem in Nordrhein-Westfalen sowie in Hessen. Auch diese Entwicklungen sehen wir kritisch, sofern psychische Auffälligkeit mit Gefährlichkeit verknüpft wird oder polizeiliche Bewertung an die Stelle fachlich-medizinischer Einschätzung tritt.
Wir betonen ausdrücklich, dass psychiatrische Diagnosen ausschließlich von entsprechend qualifizierten Fachpersonen gestellt werden können und nicht als Grundlage polizeilicher Kategorisierungen oder Risikozuschreibungen dienen dürfen.
Prävention gelingt aus unserer Sicht nicht durch pauschale Erfassung oder Kategorisierung, sondern durch frühzeitige, passgenaue Unterstützung, die Sicherheit und Entstigmatisierung gleichermaßen im Blick behält. Gerne bringen wir uns mit unserer Erfahrung aus Selbsthilfe und Prävention in einen fachlichen Austausch ein.
Der DDL Vorstand. Bonn, 10. Februar 2026
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