Am 16. September ist Tag der Selbsthilfe. Zum zweiten Mal macht der bundesweite Aktionstag auf die vielen Formen gemeinschaftlicher Selbsthilfe aufmerksam. Das Motto in diesem Jahr: #GemeinsamStark. Denn Selbsthilfe lebt davon, dass Menschen sich zusammentun, Erfahrungen teilen und sich gegenseitig unterstützen. Auch in der Deutschen DepressionsLiga finden sich Menschen zusammen und stärken einander in schweren Zeiten. Passend zum Tag der Selbsthilfe, möchten wir genauer das Thema Selbsthilfe gesondert betrachten:
Selbsthilfe als tragende Säule im Umgang mit Depressionen
Neben Psychotherapie und Medikamenten ist die Selbsthilfe eine tragende Säule im Umgang mit Depressionen. Anders als bei der professionellen Behandlung geht es hier nicht um Diagnostik oder Therapie, sondern um den Austausch auf Augenhöhe: enschen, die selbst betroffen sind oder waren, teilen ihre Erfahrungen, unterstützen sich gegenseitig und ermutigen sich zu kleinen Schritten in Richtung Genesung. Mitgliedervon Selbsthilfegruppen sind Expert:innen in eigener Sache.
Viele Menschen mit Depression fühlen sich in ihrem gewohnten Umfeld unverstanden und einsam. Sie entwickeln Schuldgefühle, weil sie ihren Angehörigen scheinbar nur noch zur Last fallen. Erkrankte empfinden es daher oft als große Erleichterung, im Kontakt mit anderen Betroffenen Verständnis zu finden und sich für ihr Verhalten und ihre Gedanken nicht rechtfertigen zu müssen.
Selbsthilfe kann dazu beitragen,
- zu zeigen, dass man mit seiner Erkrankung nicht allein ist,
- Verständnis zu vermitteln, das im privaten Umfeld nicht immer erlebt wird,
- neue Bewältigungsstrategien und praktische Informationen kennenzulernen,
- das Gefühl der Selbstwirksamkeit zu stärken,
- neue soziale Kontakte und Freundschaften entstehen zu lassen.
Selbsthilfe als ergänzende Komponente
Selbsthilfe kann eine professionelle Behandlung sinnvoll ergänzen, sie jedoch nicht ersetzen. Viele Betroffene erleben den Austausch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, als entlastend und stärkend. Wer sich in einer akuten Krise befindet, sollte immer professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Selbsthilfe und Therapie schließen sich jedoch nicht aus, sondern ergänzen sich: Während die Therapie professionelle Unterstützung bietet, ermöglicht die Selbsthilfe einen kontinuierlichen Austausch mit Menschen in einer ähnlichen Lebenssituation.
Kontakt zu anderen Betroffenen / Selbsthilfegruppen
Die meisten Selbsthilfegruppen werden von erfahrenen Betroffenen und nicht von professionellen Behandler:innen geleitet. Einzelne Gruppen laden gelegentlich Fachleute ein, die zu bestimmten Aspekten der Erkrankung informieren. In Krisensituationen können Selbsthilfegruppen eine professionelle Behandlung jedoch nicht ersetzen und verweisen an geeignete Hilfsangebote.
Selbsthilfe kann analog oder digital stattfinden. Der persönliche Kontakt in einer Präsenzgruppe schafft häufig ein besonderes Gefühl von Verbundenheit. Digitale Angebote sind dagegen flexibler zugänglich – insbesondere für Menschen in ländlichen Regionen, mit körperlichen Einschränkungen oder wenig Zeit. Viele Betroffene nutzen beide Formen ergänzend. Es kann etwas Zeit brauchen, bis Sie eine Gruppe finden, in der Sie sich wohlfühlen. Scheuen Sie sich daher nicht, verschiedene Angebote kennenzulernen. Entscheidend ist, dass Sie sich angenommen fühlen und Vertrauen entwickeln können.
Selbsthilfeangebote der Deutschen DepressionsLiga
Die DDL versteht sich nicht nur als Interessenvertretung, sondern auch als Selbsthilfeorganisation. Wer eine passende Gruppe sucht, findet über die Selbsthilfegruppen-Datenbank der DDL einen einfachen, datenschutzkonformen Einstieg – bundesweit, digital und vor Ort.
Neben regionalen Präsenzgruppen bietet die DDL auch digitale Selbsthilfeformate an, etwa regelmäßige Online-Gruppen zu unterschiedlichen Themen und Zielgruppen (z. B. für junge Menschen, für queere Betroffene oder für künstlerisch-kreative Menschen) sowie das digitale Austauschformat DDLmeeteinander speziell für Mitglieder, mit thematischen Gesprächsabenden und moderierten Austauschrunden. Darüber hinaus bietet die DDL eine Online-Schulung für (angehende) Leitende von Selbsthilfegruppen, die DDL-Peer-Mail, regionale Mitgliedertreffen, Thementage sowie weitere Informations- und Unterstützungsangebote.
Selbsthilfe für Angehörige
Nicht nur Menschen mit Depression, sondern auch Angehörige und Freund:innen profitieren vom Austausch mit anderen, die Ähnliches erleben. Der Umgang mit einem depressiv erkrankten Menschen kann belasten, verunsichern und an die eigenen Grenzen führen. Gefühle wie Sorge, Hilflosigkeit oder Erschöpfung können im privaten Umfeld oft nur schwer angesprochen werden. In einer Angehörigen-Selbsthilfegruppe können Sorgen, Ängste und Erfahrungen offen geteilt werden – ohne Rechtfertigungsdruck und mit dem Verständnis von Menschen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.
Auch für Angehörige bietet die Deutsche DepressionsLiga Selbsthilfegruppen und digitale Austauschformate an. Die Suche erfolgt über dieselbe Selbsthilfegruppen-Datenbank. Bei Bedarf unterstützt das Team der DDL auch persönlich bei der Vermittlung geeigneter Angebote.
Informationsportal der NAKOS und Selbsthilfe innerhalb der Deutschen DepressionsLiga e.V.
Der Tag der Selbsthilfe wurde 2025 von der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (NAKOS) und der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. (DAG SHG) ins Leben gerufen. Weitere Informationen zu Veranstaltungen finden Sie auf der Seite der NAKOS www.nakos.de.
Auf unserer Webseite finden Sie darüber hinaus spannende Angebote, Projekte und Wissenswertes rund um die Selbsthilfe.
Dies ist ein Textaszug des Kapitels „Selbsthilfe“ und ist in der neuesten Auflage unserer Broschüre „Leitfaden Depression“ erschienen.