Körperbasierte Ansätze bei Depressionen –DDLmeeteinander mit Anna Stechert am 16. April 2026  

Im Rahmen unseres DDLmeeteinander im April haben wir uns mit dem Thema körperbasierte Ansätze bei Depressionen beschäftigt. Zu Gast war Anna Stechert, vielen DDL-Mitgliedern bereits bekannt als Kursleiterin unseres Angebots „Traumasensitives Yoga“. Sie eröffnete das Treffen mit einer kurzen theoretischen Einführung in die Frage, welche Rolle der Körper bei der Entstehung und Bewältigung von Depressionen spielen kann.

Wie bei unseren DDLmeeteinander-Veranstaltungen üblich, stand im Anschluss der Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt.

Depression verstehen: Mehr als ein „Problem im Kopf“

Depressionen entstehen in der Regel multifaktoriell, das heißt durch ein Zusammenspiel von biologischen, psychologischen, sozialen und biografischen Einflüssen.

Viele Betroffene berichten, dass sie zwar verstehen, was ihnen helfen könnte, dieses Wissen aber im Alltag nur schwer umsetzen können. Dies ist kein persönliches Versagen, sondern kann darauf hinweisen, dass eine wichtige Ebene noch nicht ausreichend einbezogen wird.

Belastende Erfahrungen wirken nicht nur im Denken, sondern auch im Körper und im Nervensystem. Gerade frühe oder sehr belastende Erfahrungen können sich tief einprägen – oft jenseits von Sprache und bewusster Erinnerung.

Körper und Psyche gemeinsam in den Blick nehmen

Für Veränderungsprozesse kann es hilfreich sein, zwei Zugänge miteinander zu verbinden:

  • Kognitiv (Top-Down): verstehen, einordnen, benennen
  • Körperlich (Bottom-Up): fühlen, erleben, regulieren

Während Gespräche helfen, Zusammenhänge zu erkennen, können körperliche Erfahrungen dazu beitragen, neue Muster tatsächlich zu verankern. Das Nervensystem lernt dabei Schritt für Schritt, sich zu beruhigen und Sicherheit zu erleben.

Körperbasierte Ansätze – Möglichkeiten im Überblick

Im Austausch wurden verschiedene körperorientierte Ansätze thematisiert, unter anderem:

  • traumasensitives Yoga
  • Atem- und Entspannungsverfahren
  • Qigong, Tai Chi oder Yoga im Alltag
  • körperorientierte Therapieverfahren (z. B. Somatic Experiencing)
  • multisensorische Angebote (z. B. Snoezelen)

Diese Ansätze können dabei unterstützen,

  • die Körperwahrnehmung zu stärken
  • Anspannung zu reduzieren
  • das Nervensystem zu regulieren
  • das Gefühl von Selbstwirksamkeit zu fördern

Viele Betroffene erleben über den Körper einen neuen Zugang zu sich selbst, insbesondere dann, wenn Worte allein nicht ausreichen.

Gleichzeitig gilt: Körperorientierte Ansätze sind in der Regel eine Ergänzung, kein Ersatz für medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.

Chancen und Grenzen im Blick behalten

Im Verlauf des Treffens wurde deutlich, wie wichtig eine differenzierte Einordnung ist. Entscheidend sind traumasensible Herangehensweisen, fachliche Qualifikation sowie Freiwilligkeit und klare Grenzen, insbesondere bei körpernahen Methoden.

Zugänge und Kostenübernahme

Klassische Psychotherapie wird von gesetzlichen Krankenkassen übernommen, während körperorientierte Verfahren meist keine eigenständige Kassenleistung darstellen. Teilweise werden zertifizierte Präventionskurse (z. B. Yoga oder Entspannung) bezuschusst. Einzelne Elemente können im Rahmen von Psychotherapie integriert sein.

Fazit: Der Körper als wichtige Ressource

Das DDLmeeteinander hat deutlich gemacht:Depression betrifft nicht nur das Denken, sondern den ganzen Menschen – einschließlich des Körpers. Körperbasierte Ansätze können für viele Betroffene eine hilfreiche Ergänzung sein, insbesondere wenn es darum geht, wieder Zugang zu sich selbst zu finden und neue Erfahrungen von Sicherheit und Stabilität zu machen.

Gleichzeitig bleibt entscheidend:

  • Es gibt keinen einen richtigen Weg.
  • Was hilft, ist individuell unterschiedlich.
  • Eine gute Behandlung berücksichtigt Körper, Psyche und Lebensumfeld gemeinsam.

Wir werden das Thema durch weitere Veranstaltungen, vertiefende Formate und Möglichkeiten zum Austausch innerhalb der DDL auch künftig weiterverfolgen.

Herzlichen Dank an Anna und alle Teilnehmenden für den offenen Austausch.

Das nächste DDLmeeteinander findet am 21. Mai 2026 zum Thema „Depression im Alter“ statt. 

Ein Angebot für Mitglieder

Die DDLmeeteinander sind ein Angebot für Mitglieder oder all diejenigen, die es werden möchten. Im Jahr veranstalten wir neben rund zehn DDLmeeteinandern auch andere spannende Aktionen für unsere Mitglieder, wie beispielsweise unseren Recoverykurs RAMSES

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