Am 24. Oktober 2026 kamen gut 30 Mitglieder der Deutschen DepressionsLiga e.V. (DDL) in Hannover zur diesjährigen Mitgliederversammlung zusammen. In diesem Jahr hatte die DDL der eigentlichen Mitgliederversammlung ein ausführliches Informations- und Austauschprogramm vorangestellt, das den Teilnehmenden einen Blick hinter die Kulissen der Vereinsarbeit ermöglichte.
Wie hat sich die DDL in den vergangenen Jahren entwickelt? Wie arbeiten der ehrenamtliche Vorstand und die hauptamtliche Geschäftsstelle zusammen? Und wie wird aus einer ersten Projektidee ein konkretes Angebot für Menschen mit Depression? Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt des Vorprogramms. Anschließend folgte die reguläre Mitgliederversammlung mit einem Rückblick auf die Vorstandsarbeit, den Finanzberichten und wichtigen personellen Entscheidungen.
Ein Blick hinter die Kulissen: So arbeitet die DDL
Zu Beginn des Vorprogramms stand die Entwicklung des Vereins im Mittelpunkt. Dabei wurde deutlich, wie stark die DDL in den vergangenen Jahren gewachsen ist: Zählte der Verein Anfang 2018 noch 383 Mitglieder, waren es im Oktober 2026 bereits 2.811. Mit der wachsenden Mitgliederzahl haben sich auch die Aufgaben, Angebote und organisatorischen Anforderungen erheblich erweitert.
Ein Schwerpunkt lag deshalb auf der Frage, wie die Arbeit innerhalb der DDL organisiert ist. Welche Aufgaben übernimmt der ehrenamtliche Vorstand, welche die Geschäftsstelle? Wie werden Entscheidungen vorbereitet und getroffen? Und wie greifen strategische Vereinsentwicklung, laufende Mitgliederbetreuung, Selbsthilfearbeit und Projektumsetzung ineinander?
Auch die Entwicklung neuer Projekte wurde beleuchtet. Sie folgt bei der DDL einem klar definierten Prozess, der eng mit den strategischen Zielen des Vereins verknüpft ist. Projektideen werden zunächst auf ihren Beitrag zu diesen Zielen geprüft. Gleichzeitig müssen sie den Anforderungen der Selbsthilfeförderung entsprechen, zu den Förderschwerpunkten möglicher Fördermittelgeber passen und im Rahmen der finanziellen und personellen Ressourcen der DDL umsetzbar sein. Die Geschäftsstelle übernimmt die Prüfung und Vorbereitung, stimmt sich gegebenenfalls mit Fördermittelgebern ab und legt dem Vorstand eine entsprechende Empfehlung vor. Dieser entscheidet über die Freigabe. So wird sichergestellt, dass neue Projekte nicht isoliert entstehen, sondern die strategische Weiterentwicklung der DDL gezielt unterstützen.
Selbsthilfe weiterentwickeln: digital, regional und professionell
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Weiterentwicklung der Selbsthilfearbeit – einem der zentralen Aufgabenbereiche der DDL.
Zunächst hat die DDL verstärkt auf die Digitalisierung ihrer Selbsthilfeangebote gesetzt. Virtuelle Selbsthilfegruppen ermöglichen Menschen mit Depression den Austausch mit anderen Betroffenen, unabhängig vom Wohnort. Seit 2025 wurden elf virtuelle DDL-Selbsthilfegruppen gegründet. Auch die kontinuierlich ausgebaute Selbsthilfegruppen-Datenbank mit inzwischen gut 200 Einträgen gehört zu diesem Bereich und erleichtert die Suche nach passenden Angeboten.
Darauf aufbauend rückt nun die Regionalisierung stärker in den Mittelpunkt. Die DDL möchte ihre Mitglieder auch vor Ort besser vernetzen und den Aufbau regionaler Selbsthilfegruppen unter ihrem Dach unterstützen. Erste Schritte wurden unter anderem in Hannover, Detmold und Schramberg unternommen.
Eng damit verbunden ist die Professionalisierung der Selbsthilfearbeit. Eine neue Online-Qualifizierung für Leitende und Ansprechpersonen von DDL-Selbsthilfegruppen startet Ende Oktober 2026. Ergänzend entsteht eine Toolbox mit Leitfäden, Checklisten und weiteren Materialien für die Gruppenarbeit.
Digitalisierung, Regionalisierung und Professionalisierung bilden damit drei eng miteinander verbundene Entwicklungslinien. Sie sollen den Zugang zur Selbsthilfe erleichtern, bestehende Gruppen stärken und neue Begegnungsmöglichkeiten schaffen.
Von der Idee zum Angebot: Einblicke in aktuelle DDL-Projekte
Wie vielfältig die Arbeit der DDL inzwischen ist, zeigte anschließend die Vorstellung ausgewählter Projekte. Sie reichen von Aufklärungsarbeit über kreative Selbsthilfeangebote bis hin zu neuen digitalen Unterstützungsmöglichkeiten.
Mit „PsyResQ – Digitaler Notfallkoffer“ entsteht beispielsweise eine kostenfreie Selbsthilfe-App, die Menschen in psychischen Krisen persönliche Ressourcen und Bewältigungsstrategien zugänglich machen soll. Die Veröffentlichung ist für das Frühjahr 2027 vorgesehen. Das Filmprojekt „Alter & Depression“ wiederum möchte die Erfahrungen älterer Menschen mit Einsamkeit, Pflege und Depression sichtbar machen. Geplant ist ein dokumentarisches Filmformat, das sie auf einer Bahnreise durch Deutschland begleitet.
Auch die Aufklärung spielt eine wichtige Rolle. Der interaktive Schulworkshop „Wer hat Angst vorm Schattenhund?“ vermittelt Jugendlichen Wissen über Depressionen und hilft, Vorurteile abzubauen. Bis zur Mitgliederversammlung hatten bereits 24 Workshops stattgefunden, weitere 18 sind geplant. Mit dem animierten Erklärvideo „S3-Leitlinie Depression verständlich erklärt“ werden zudem wichtige Informationen zu Diagnostik und Behandlung verständlich aufbereitet. Den Sprechertext hat DDL-Botschafterin Katty Salié eingesprochen.
Daneben stellte die DDL Angebote vor, die sich unmittelbar an ihre Mitglieder richten: Die Workshopreihe „Therapietagebuch“ mit Eva Jahnen verbindet Schreiben und kreatives Gestalten mit persönlicher Selbsthilfe. Das virtuelle Austauschformat „DDLmeeteinander“ bietet regelmäßig Raum für unterschiedliche Themen rund um Depression und Selbsthilfe, stärkt die Gemeinschaft und liefert zugleich wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung der DDL-Angebote.
Ein weiteres Vorhaben betrifft die Weiterentwicklung der DDL-Website. Neue Informationsseiten rund um die Selbsthilfe und Verbesserungen der digitalen Barrierefreiheit sollen den Zugang zu Informationen und Unterstützungsangeboten erleichtern.
Austausch und Einblicke, die verbinden
Das Vorprogramm machte deutlich, wie vielfältig sich die DDL in den vergangenen Jahren entwickelt hat – und wie eng dabei die Arbeit von Vorstand, Geschäftsstelle, ehrenamtlich Engagierten und Projektpartnern ineinandergreift. Hinter jedem Angebot stehen nicht nur Ideen und persönliches Engagement, sondern auch Planung, Abstimmung, Finanzierung und zahlreiche organisatorische Aufgaben.
Für die Mitglieder bot sich damit die Gelegenheit, die Arbeit des Vereins aus einer anderen Perspektive kennenzulernen. Die Einblicke stießen auf großes Interesse und führten zu einem lebendigen Austausch mit Fragen und Anregungen.
Zugleich wurde deutlich, wohin sich die DDL weiterentwickeln möchte: Selbsthilfe stärken, neue Zugänge schaffen, Menschen regional und digital besser miteinander vernetzen und die Erfahrungen Betroffener weiterhin konsequent in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen.
Mitgliederversammlung: Einblicke in die vielfältige Vorstandsarbeit
Auch die anschließende reguläre Mitgliederversammlung bot Gelegenheit, auf ein ereignisreiches Jahr zurückzublicken. Im Tätigkeitsbericht des Vorstands wurde deutlich, wie vielfältig sich die Vorstandsmitglieder für die Interessen von Menschen mit Depression einsetzen – oft auch abseits der öffentlichen Wahrnehmung.
Ein wichtiger Schwerpunkt war die gesundheitspolitische Interessenvertretung. So brachte die DDL die Perspektive Betroffener unter anderem in die Arbeit des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), in die Weiterentwicklung Nationaler Versorgungsleitlinien und in verschiedene gesundheitspolitische Fachgremien ein. Auch in Forschung und Wissenschaft war die DDL vertreten, beispielsweise im Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG), in Forschungsbeiräten und bei wissenschaftlichen Projekten. Ziel dieses Engagements ist es, dass die Erfahrungen und Bedürfnisse von Menschen mit Depression bei der Weiterentwicklung von Forschung und Versorgung berücksichtigt werden.
Darüber hinaus begleiteten die Vorstandsmitglieder die strategische Entwicklung des Vereins, unterstützten den Ausbau der Selbsthilfeangebote und wirkten an Projekten wie der Bustour „Expedition Depression“ mit. Auch in der Öffentlichkeit war die DDL auf vielfältige Weise präsent: bei Vorträgen und Podiumsdiskussionen, in Interviews und Medienbeiträgen sowie auf Fachkongressen, Messen und Netzwerktreffen. Dabei ging es nicht nur darum, über Depressionen aufzuklären und Vorurteile abzubauen, sondern auch darum, neue Kontakte zu knüpfen, Kooperationen zu stärken und die Anliegen Betroffener in unterschiedliche gesellschaftliche Bereiche hineinzutragen.
Zum Engagement des Vorstands gehörte außerdem, die DDL bei Spendenaktionen und Benefizveranstaltungen zu vertreten und die Weiterentwicklung des Fundraisings zu unterstützen. Die zahlreichen Aktivitäten zeigten, wie viel ehrenamtliche Arbeit erforderlich ist, um die Interessenvertretung, die Selbsthilfe und die öffentliche Wahrnehmung der DDL nachhaltig zu stärken.
Ein weiterer wichtiger Tagesordnungspunkt waren die anstehenden Vorstandswahlen.
Neuer Vorsitzender und drei neue Beisitzer:innen
Die Mitgliederversammlung wählte Jonas Schmidt einstimmig zum neuen Vorsitzenden. Er war bislang als Beisitzer im Vorstand tätig und übernimmt den Vorsitz von Jürgen Leuther, der sein Amt im April 2026 niedergelegt hatte.
Mit Frank Redeker, Stephanie Borchert und Brigitte Mothes wurden zudem drei neue Beisitzer:innen gewählt. Sie bringen unterschiedliche persönliche und berufliche Erfahrungen mit und möchten sich künftig aktiv in die Weiterentwicklung der DDL einbringen.
Die übrigen Vorstandsmitglieder führen ihre bisherigen Ämter fort.
Der Vorstand der DDL im Überblick
- Jonas Schmidt – Vorsitzender
- Ute Trescher – stellvertretende Vorsitzende
- Michael Bergmann – Schatzmeister
- Gabriele Liebermann – Schriftführerin
- Frank Redeker – Beisitzer, neu im Vorstand
- Stephanie Borchert – Beisitzerin, neu im Vorstand
- Brigitte Mothes – Beisitzerin, neu im Vorstand
Aus dem Vorstand ausgeschieden sind im Laufe des Jahres neben Jürgen Leuther auch die bisherigen Vorstandsmitglieder Heike Marquitan und Oliver Vorthmann. Ihnen gilt unser Dank für ihren Einsatz und ihr Engagement für die DDL.
Drei neue Gesichter im Vorstand
Frank Redeker: Betroffenen eine Stimme geben
Frank Redeker aus Bad Hersfeld erhielt 1992 seine erste Depressionsdiagnose. Nach verschiedenen Klinikaufenthalten und Therapien entwickelte sich bei ihm eine chronische Depression. Seine persönlichen Erfahrungen verbindet er mit langjähriger beruflicher Praxis in pädagogischen und sozialen Arbeitsfeldern.
Im Vorstand möchte er sich für einen offenen Umgang mit Depression, mehr Akzeptanz und den Abbau von Stigmatisierung einsetzen. Ein besonderes Anliegen ist ihm, Betroffenen eine Stimme zu geben und ihre Interessen in der Öffentlichkeit, in Institutionen und relevanten Gremien zu vertreten. Außerdem möchte er das bundesweite Netzwerk der DDL durch regionale und lokale Ansprechpersonen aus den Reihen der Mitglieder stärken.
Brigitte Mothes: Selbsthilfe stärken und Aufklärung voranbringen
Brigitte Mothes aus dem Vogtland ist gelernte Bürokauffrau und hat eine Weiterbildung zur Wirtschaftsfachwirtin abgeschlossen. Seit ihrer krankheitsbedingten Berentung engagiert sie sich verstärkt für die Aufklärung über Depressionen und gegen die Stigmatisierung Betroffener.
Besonders am Herzen liegt ihr die Selbsthilfearbeit. Sie möchte dazu beitragen, die Rechte von Menschen mit Depression zu stärken, Wissen über die Erkrankung zu vermitteln und die DDL bekannter zu machen – insbesondere auch in den neuen Bundesländern.
Stephanie Borchert: Bereits ehrenamtlich für die DDL aktiv
Stephanie Borchert aus Hannover ist vielen innerhalb der DDL bereits durch ihr ehrenamtliches Engagement bekannt. Sie unterstützt seit geraumer Zeit die DDL-Peer-Mail-Beratung, bei der Menschen mit eigener Depressionserfahrung anderen Betroffenen einen niedrigschwelligen Austausch anbieten. Stephanie Borchert ist gelernte Fleischereifachverkäuferin, jetzt berentet, hat außerdem viel eigene Erfahrungen im Themen Selbsthilfe. Selbst hat sie eine Selbsthilfegruppe gegründet und Aktionen rund um mentale Gesundheit durchgeführt. Darüber hinaus engagiert sie sich ehrenamtliche, u.a. im Nachbarschaftsverein mit dem kreativen Quatschcafé.
Gemeinsam die Zukunft der DDL gestalten
Die Mitgliederversammlung in Hannover hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig der persönliche Austausch für eine bundesweit tätige Selbsthilfeorganisation ist. Sie bot Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, die Entwicklung der DDL nachzuvollziehen und gemeinsam auf kommende Aufgaben zu blicken.
Die DDL lebt von den Erfahrungen, Ideen und dem Engagement ihrer Mitglieder. Gleichzeitig braucht es verlässliche Strukturen und eine gute Zusammenarbeit zwischen Ehrenamt und Hauptamt, damit daraus nachhaltige Angebote und eine wirksame Interessenvertretung entstehen können.
Wir gratulieren allen Gewählten herzlich und wünschen dem Vorstand viel Erfolg bei den kommenden Aufgaben. Unser Dank gilt allen Mitgliedern, die in Hannover dabei waren, Fragen gestellt, Anregungen eingebracht und den Austausch bereichert haben – ebenso wie allen, die sich das ganze Jahr über für die DDL engagieren.