Depressionen bei Jungen und Männern: Warum sie oft so spät erkannt werden

Jungen und Männer sprechen häufig später über psychische Belastungen und nehmen seltener professionelle Hilfe in Anspruch als Frauen. Das kann dazu beitragen, dass Depressionen oft erst spät erkannt und behandelt werden. Anlässlich des Aktionsmonats zur psychischen Gesundheit von Männern möchten die Deutsche DepressionsLiga e.V. und das Informationsportal „ich bin alles“ gemeinsam auf dieses wichtige Thema aufmerksam machen. Mit Informationen über mögliche Anzeichen, Hintergründe und Unterstützungsangebote möchten wir dazu beitragen, Vorurteile abzubauen, das Bewusstsein für Depressionen bei Jungen und Männern zu stärken und Betroffene zu ermutigen, sich frühzeitig Hilfe zu suchen.

Zahlen & Fakten 

Laut aktuellen Zahlen von Krankenkassen erhielten im Jahr 2024 in Deutschland etwa zwei bis drei von 100 männlichen Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren und etwa 13 von 100 erwachsenen Männern ab 18 Jahren die Diagnose Depression. Wichtig dabei zu wissen ist, dass hier nur die Personen erfasst wurden, die tatsächlich eine Diagnose erhielten. Nach wie vor bleiben viele Depressionen unerkannt, zum Beispiel, weil Betroffene keine Hilfe in Anspruch nehmen.

Die Zahlen deuten darauf hin, dass Depressionen bei Jungen und Männern mit zunehmendem Alter häufiger diagnostiziert werden. Gleichzeitig ist es möglich, dass die Erkrankung insbesondere im Jugendalter häufiger übersehen oder nicht erkannt wird. 

Herausforderungen bei Depressionen bei Jungen und Männern 

Es gibt viele Gründe, warum Depressionen bei Jungen und auch Männern nicht oder spät erkannt werden. Oft werden Depressionen vor allem mit Traurigkeit in Verbindung gebracht. Tatsächlich können sich Depressionen bei Jungen und Männern aber auch anders äußern – zum Beispiel durch Gereiztheit, Wut oder Aggressionen. Manche Betroffene greifen außerdem als Reaktion auf die Erkrankung zu Alkohol oder anderen Drogen. Diese schädliche Bewältigungsstrategie wird nicht immer als mögliches Anzeichen einer Depression erkannt. 

Hinzu kommen veraltete gesellschaftliche Rollenvorstellungen. Viele Jungen und Männer haben bereits früh gelernt, das Zeigen von Gefühlen als Schwäche zu empfinden. Das kann dazu beitragen, dass sie eher dazu neigen, Gefühle zu unterdrücken, aus Scham nicht darüber zu reden und keine Hilfe zu suchen – oder eben erst sehr spät. 

Das kann schwerwiegende Folgen haben: Bleibt eine Depression unerkannt, steigt das Risiko, dass sie länger andauert, sich verschlechtert und Betroffene nicht die Unterstützung erhalten, die sie benötigen. 

Umso wichtiger ist es, das Bewusstsein für Depressionen bei Jungen und Männern zu erhöhen, zum Beispiel durch:

  • Ehrliches Nachfragen.
  • Zuhören – ohne Druck.
  • Zeigen: Gefühle sind okay. 

Ebenso wichtig ist mehr Aufklärung darüber, dass sich Depressionen bei Jungen und Männern unterschiedlich äußern können. Das versuchen „ich bin alles“ und die Deutsche DepressionsLiga e.V. mit ihren Angeboten zu leisten.

Quellen, u.a.:

  • Cavanagh, A., Wilson, C. J., Kavanagh, D. J., & Caputi, P. (2014). EPA-0622–Men’s expression and experience of depression: A systematic review. European Psychiatry, 29(S1), 1-1.
  • Cavanagh, A., Wilson, C. J., Kavanagh, D. J., & Caputi, P. (2017). Differences in the expression of symptoms in men versus women with depression: a systematic review and meta-analysis. Harvard review of psychiatry, 25(1), 29-38.
  • DAK-Gesundheit (2026, 26. März). DAK Kinder- und Jugendreport 2025: Angststörungen. 
  • Feldmann, L. & Kroboth, J. (2023). Symptomatik. In G. Schulte-Körne & E. Greimel (Hrsg.). Depression im Kindes- und Jugendalter (S.15-33). Kohlhammer Verlag.
  • Robert Koch-Institut (2024, 20. November). Depression: Administrative Prävalenz (ab 18 Jahre). Gesundheitsberichterstattung des Bundes. 

Wichtige Informationen auf ich-bin-alles.de und Selbsthilfe-Angebote der DDL

„ich bin alles“ ist ein webbasiertes Infoportal für Jugendliche, Eltern & Lehrkräfte. Auf der Webseite finden sich unter anderem:

  • Wissenschaftlich geprüfte Inhalte zur Depression im Jugendalter, u. a. zu Anzeichen, Entstehung, Verlauf und wirksamen Behandlungsmöglichkeiten.
  • Zusätzlich werden wichtige Punkte bei der Hilfesuche (z. B. Therapieplatzsuche) Schritt für Schritt erklärt und eine Übersicht zu möglichen Anlaufstellen gegeben.
  • Jugendliche erhalten außerdem konkrete Tipps, wie sie ihre psychische Gesundheit stärken und einer Depression vorbeugen können.

„ich bin alles“ leistet einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung über Depression, um Vorurteile und Scham abzubauen und Betroffene zur Hilfesuche zu ermutigen – unabhängig vom Geschlecht.

Die Deutsche DepressionsLiga e.V. bietet als Betroffenenorganisation verschiedene Selbsthilfeangebote und leistet Aufklärungsarbeit zum Thema Depression. Speziell für junge Menschen und Männer können Mitglieder und Nicht-Mitglieder folgende Angebote nutzen:

Die Autor:innen des Textes

Pia-Marie Keim, Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin (Doktorandin) der Arbeitsgruppe AG Depression im Kindes- und Jugendalter der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, LMU München.

Prof. Dr. Ellen Greimel, Arbeitsgruppenleiterin der AG Depression im Kindes- und Jugendalter der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, LMU München.

Jonas Julino ist zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Deutschen DepressionsLiga e.V.

Aktuelles

Vorstandsmitglied Oliver Vorthmann tritt zurück – Wir sagen: “Danke, Oli!”
15Okt.

Vorstandsmitglied Oliver Vorthmann tritt zurück – Wir sagen: “Danke, Oli!”

Unser Vorstandsmitglied Oliver Vorthmann hat sein Amt im Vorstand der Deutschen DepressionsLiga e.V. aus persönlichen Gründen mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Oli gehörte dem Vorstand seit Oktober 2023 an und war als Beisitzer…

Von Pole-Dancing und Expedition Depression: Neuer Infofilm mit Protagonistin Jacki ist online
06Okt.

Von Pole-Dancing und Expedition Depression: Neuer Infofilm mit Protagonistin Jacki ist online

Ein neuer Infofilm mit Jackii, Protagonistin des Roadmovies Expedition Depression, ist online. Sie berichtet von der Schultour und ihrem Weg aus der Depression. Der gelang ihr unter anderem mit Pole-Dancing.

„Nach Grau kommt Himmelblau“: 1.100 Euro für die Deutsche DepressionsLiga
30Sep.

„Nach Grau kommt Himmelblau“: 1.100 Euro für die Deutsche DepressionsLiga

Ein Wochenende rund um das Thema Depression, persönliche Erfahrungen und den Mut, offen darüber zu sprechen: Am 19. und 20. September fand im LAB-3 in Biebertal bei Gießen die Veranstaltung „Depression Unplugged…

Die DDL ist mit dabei: Mental Health Award & Summit 2026
28Sep.

Die DDL ist mit dabei: Mental Health Award & Summit 2026

Am 22. Oktober findet in München der Mental Health Award & Summit statt – und auch die Deutsche DepressionsLiga e. V. ist dabei. Im Rahmen des Summits wird unsere Botschafterin Katty Salié…

Tag der Selbsthilfe: #GemeinsamStark
16Sep.

Tag der Selbsthilfe: #GemeinsamStark

Am 16. September ist Tag der Selbsthilfe. Zum zweiten Mal macht der bundesweite Aktionstag auf die vielen Formen gemeinschaftlicher Selbsthilfe aufmerksam. Das Motto in diesem Jahr: #GemeinsamStark. Denn Selbsthilfe lebt davon, dass…

DDLmeeteinander: Mit Kindern und Jugendlichen über Depressionen sprechen – dieses Mal für alle offen
09Sep.

DDLmeeteinander: Mit Kindern und Jugendlichen über Depressionen sprechen – dieses Mal für alle offen

Unsere Veranstaltungsreihe DDLmeeteinander widmet sich im September dem Thema "Mit Kindern und Jugendlichen über Depressionen sprechen". Diese Ausgabe ist nicht nur thematisch ein besonderer Termin: denn dieser Termin ist für alle zugänglich.…

Expedition Depression bei der NDR-Benefizaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ vorgestellt
08Sep.

Expedition Depression bei der NDR-Benefizaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ vorgestellt

Unsere Vorständin Ute Trescher hat bei der Auftaktveranstaltung der NDR-Benefizaktion „Hand in Hand für Norddeutschland“ das DDL-Projekt "Expedition Depression" vorgestellt. Im Mittelpunkt der diesjährigen Spendenaktion steht die mentale Gesundheit von Kindern und…

60 Jahre Torsten Sträter – unser Schirmherr feiert runden Geburtstag
05Sep.

60 Jahre Torsten Sträter – unser Schirmherr feiert runden Geburtstag

Herzlichen Glückwunsch zum 60., Torsten Sträter! Am 4. September ist unser Schirmherr Torsten Sträter 60 Jahre alt geworden. Dazu gratulieren wir als Deutsche DepressionsLiga e. V. ganz herzlich. Seit 2018 ist Torsten…

DDL-Vortrag: Depression im Arbeitskontext
03Sep.

DDL-Vortrag: Depression im Arbeitskontext

Unser Vorstandsmitglied Michael Berg ist zu Gast in Daun und hält dort einen Vortrag im Rahmen der Fachtung "Depression im Fokus" der Median-Klinik "Am Rosenberg". 

Suche

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner